Story

Kino im Bestand nachrüsten: Wie aus einem leeren Raum im Untergeschoss ein Hotelkino wird

Haustechniker und Planerin begutachten einen Projektor an einem Deckenlift im Hotel

Ein Hotelkino ist ein eigener Kinoraum im Hotel, in dem Gäste Filme auf großer Leinwand mit Mehrkanal-Ton sehen. Die MULTIMEDIAFABRIK plant, baut und betreut ihn aus einer Hand. Meist entsteht so ein Kino in einem Raum, den es schon gibt: im Lager, in der alten Kegelbahn, im Seminarraum.

Diese Story ist ein Leitfaden für alle, die dabei mitentscheiden: Hotelier, Hoteldirektion, Haustechnik, Elektroplaner und Architekt. Sie zeigt, welche Fragen in welcher Reihenfolge kommen, wer wann ins Projekt geholt wird und welche Angaben die Fachplaner für Lüftung und Brandschutz brauchen.

Das Haus, an dem wir den Weg erklären, ist ein typisches Beispiel, kein einzelner Kunde.

Das Beispiel: ein Lager unter dem Speisesaal

Ein Ferienhotel im Allgäu, gewachsen über mehrere Generationen. Unter dem Speisesaal liegt ein Raum, der früher Weinkeller und später Lager war. Er ist lang und schmal, hat keine Fenster und ist über eine Treppe vom Gang beim Hallenbad erreichbar. An der Decke laufen Heizungsrohre, an einer Wand steht ein alter Elektroverteiler.

Die Gastgeberfamilie will dort ein Kino für ihre Gäste einrichten. Familienabende in den Ferien, Filme an Regentagen, ab und zu eine Feier für Stammgäste. Im Erstgespräch kommen die ersten Fragen: Reicht die Höhe? Hört man den Film im Speisesaal? Wer kümmert sich um die Luft?

Diese Fragen sind typisch. Sie lassen sich beantworten, aber nicht alle von derselben Person.

Wer im Projekt sitzt, und wann

Ein Kino im Bestand berührt mehrere Gewerke. Die MULTIMEDIAFABRIK plant Bild, Ton, Raumakustik, Licht, Bestuhlung und Bedienung. Für alles, was an Wand, Decke, Luft und Fluchtwegen baulich passiert, sind die Fachplaner des Hauses zuständig. Je früher alle zusammen am Tisch sitzen, desto weniger muss später umgeplant werden.

RolleWann sie dazukommtTypische Frage im Bestand
Hotelier, Hoteldirektionab dem ErstgesprächWelcher Raum bringt heute am wenigsten und darf Kino werden?
Haustechnikab der RaumbegehungWas liegt in Decke und Wand, und reicht der Verteiler?
MULTIMEDIAFABRIKab dem ErstgesprächWo kann der Projektor hängen, wie groß wird das Bild, wie klingt der Raum?
Elektroplanerab der PlanungWo laufen neue Leitungen, ohne Wände im Betrieb zu öffnen?
Architekt, Innenarchitektab der PlanungWie wird der Schall nach außen gedämmt, wie kommen Gäste stufenlos hin?
Lüftungsplanerab der PlanungWohin mit dem Lüftungsgerät, damit es den Film nicht übertönt?
Brandschutzplanerab der Planung, vor dem AngebotGilt der Raum als Veranstaltungsstätte, und wo liegt der zweite Ausgang?

Wichtig ist der Zeitpunkt des Brandschutzplaners. Ob der Kinoraum als Veranstaltungsstätte gilt und welche Fluchtwege er braucht, hängt von Personenzahl und Landesrecht ab. Davon hängt wiederum ab, wie viele Plätze möglich sind. Wer diese Frage erst nach dem Angebot klärt, plant im Zweifel zweimal. Rechtsberatung gibt die MULTIMEDIAFABRIK nicht, sie liefert dem Brandschutzplaner die Angaben zur Technik.

Kinoraum in einem Alpenhotel mit Holz- und Stoffpaneelen, Kinosesseln und Bergpanorama auf der Leinwand

Die acht Schritte, im Bestand gelesen

Der Weg zum Hotelkino hat acht Schritte, vom Erstgespräch bis zum Service. Im Bestand hat jeder Schritt eine eigene Frage, die bei einem Neubau so nicht auftaucht.

SchrittWas im Bestand dazukommt
01 ErstgesprächWelche Räume im Haus kommen überhaupt infrage?
02 RaumbegehungWas liegt in Decke und Wand, was steht im Weg?
03 Planung mit Haustechnik und ElektroplanerWelche Leitungswege gibt es, wo muss neu gebohrt werden?
04 AngebotWelche baulichen Arbeiten des Hauses müssen vorher fertig sein?
05 MontageIn welchen Abschnitten läuft sie neben dem Hotelbetrieb?
06 EinmessenWie verhält sich der Raum mit seinen Wänden und seiner Decke?
07 EinweisungWer im Team übernimmt das Kino im Alltag?
08 ServiceWie erreicht die Haustechnik uns am Wochenende?

Die Schritte 02 und 03 entscheiden im Bestand fast alles. Bei der Raumbegehung im Allgäuer Beispiel zeigt sich, dass die Heizungsrohre an der Decke genau dort laufen, wo der Projektor hängen soll. Die Lösung ist eine Projektorposition an der Rückwand statt in der Decke. Ohne Raumbegehung wäre das erst bei der Montage aufgefallen.

Fragen, die du vor der Raumbegehung beantworten kannst

Je mehr vor der Raumbegehung klar ist, desto genauer wird die Planung. Diese Punkte kann das Haus meist selbst vorbereiten:

  • Wofür soll der Raum vor allem genutzt werden: Familienabende, Regentage, Seminare, Vermietung?
  • Wie viele Gäste sollen gleichzeitig Platz haben, ungefähr?
  • Gibt es Grundrisse und Schnitte des Raums, auch alte Pläne?
  • Was liegt direkt über, unter und neben dem Raum: Zimmer, Restaurant, Technik?
  • Wo ist der nächste Elektroverteiler, und gibt es Netzwerk in der Nähe?
  • Wie wird der Raum heute belüftet und beheizt?
  • Wie kommen Gäste hin, gibt es einen stufenlosen Zugang?
  • Soll der Raum während des Umbaus in Betrieb bleiben, oder gibt es eine Zwischensaison?

Fotos aus mehreren Blickwinkeln helfen schon vor dem Termin. Wer sie vorab schickt, bekommt bei der Raumbegehung gezieltere Antworten.

Familie mit zwei Kindern in Bademänteln schaut im Hotelkino an einem Regentag einen Film und isst Popcorn

Was die Fachplaner von uns bekommen

Lüftung, Schallschutz und Brandschutz plant die MULTIMEDIAFABRIK nicht selbst. Damit die Fachplaner das können, brauchen sie Angaben zur Technik. Die liefern wir früh, idealerweise mit der ersten Planungsrunde.

FachplanerWelche Angaben er von uns bekommtWozu er sie braucht
ElektroplanerGeräteliste mit Anschlusswerten, Positionen von Projektor, Lautsprechern, Steuerung und LichtStromkreise, Leitungswege, Netzwerk, Anbindung an die Gebäudesteuerung
LüftungsplanerWärmeabgabe der Technik, Position des Projektors, Wunsch nach leiser LuftführungFrischluftmenge, Lage des Lüftungsgeräts möglichst außerhalb des Raums, Schalldämpfer in den Kanälen
Architekt und BauphysikLautsprecherpositionen, geplante Lautstärke, Akustikelemente im RaumSchallschutz von Wand, Decke, Boden und Tür nach außen
BrandschutzplanerTechnikplan mit Leinwand, Sitzreihen und LeitungswegenFluchtwege, Notbeleuchtung, Abstimmung mit der Behörde
InnenarchitektFlächen für Akustik, Leinwandmaß, SichtlinienMaterialien, Farben, Einbau von Technik in Wand und Decke

Raumakustik im Kino und Schallschutz nach außen sind zwei getrennte Themen. Die Akustik im Raum sorgt dafür, dass der Film klar klingt. Der Schallschutz sorgt dafür, dass er im Speisesaal darüber nicht zu hören ist. Das Erste plant die MULTIMEDIAFABRIK, siehe Raumakustik. Für das Zweite braucht es oft bauliche Maßnahmen, die Architekt und Bauphysik planen. Wer dafür im Haus zuständig ist, fasst die FAQ Welche Räume im Hotel eignen sich für ein Kino? zusammen.

Was im Bestand oft überrascht

Bestandsräume haben eine Geschichte. Die folgenden Befunde kommen bei Raumbegehungen immer wieder vor. Keiner davon verhindert ein Kino, aber jeder ändert die Planung.

BefundWas er bedeutetWer ihn löst
Rohre oder Unterzug an der DeckeProjektor kann nicht an der geplanten Stelle hängenMULTIMEDIAFABRIK mit anderer Projektorposition, eventuell Deckenlift an anderer Stelle
niedrige DeckeLeinwand wird kleiner, hintere Reihen stehen nicht erhöhtMULTIMEDIAFABRIK bei der Bildplanung
Pfeiler im RaumSichtlinien und Sitzreihen müssen um ihn herum geplant werdenMULTIMEDIAFABRIK mit Architekt
keine Lüftungfensterloser Raum wird bei voller Belegung warm und stickigLüftungsplaner und Haustechnik
alter Elektroverteilerzu wenige Stromkreise für Technik und LichtElektroplaner
Zugang nur über TreppeThema Barrierefreiheit und FluchtwegArchitekt und Brandschutzplaner
Feuchtigkeit in der WandAkustikelemente und Technik brauchen trockene WändeHaus und Baufirma vor der Montage

Im Allgäuer Beispiel sind es drei Befunde: Heizungsrohre an der Decke, eine fehlende Lüftung und ein Zugang über eine Treppe. Die Rohre bleiben, der Projektor wandert an die Rückwand. Die Lüftung plant der Lüftungsplaner des Hauses mit einem Gerät im Technikraum nebenan. Für die Treppe klären Architekt und Brandschutzplaner einen zweiten Ausgang über den Gang zum Hallenbad.

Seminargruppe sitzt im Hotelkino, die Referentin zeigt auf ein Diagramm auf der Leinwand

Wie tief der Eingriff ist

Nicht jeder Bestandsraum braucht denselben Aufwand. Grob lassen sich drei Tiefen unterscheiden.

EingriffTypischer RaumWas baulich passiertPaket-Tendenz
leichtSeminarraum oder Bibliothek mit Strom und NetzwerkVerdunkelung, Akustikelemente, Leitungen im BestandBASIC oder SMART
mittelLager oder alte Kegelbahn ohne Fensterneue Leitungen, Lüftung, Trockenbau für Akustik und TechnikSMART
tiefRaum unter oder neben Gästezimmern, mit hohem Anspruch an Bild und TonSchallschutz an Wand, Decke und Tür, Lüftung, Kinosessel, AkustikplanungPRO

Das Allgäuer Beispiel liegt in der Mitte. Der Raum ist frei von Gästezimmern, braucht aber Lüftung und eine geänderte Projektorposition. Die Gastgeberfamilie entscheidet sich für SMART mit Lichtszenen und Tablet, weil sie den Raum auch für Feiern von Stammgästen vermieten will.

Welcher Eingriff im eigenen Haus nötig ist, zeigt erst die Raumbegehung. Danach gibt es ein Festpreis-Angebot für den Teil der MULTIMEDIAFABRIK, die baulichen Arbeiten bieten die Fachfirmen des Hauses an.

Umbau, ohne das Haus zu schließen

Die meisten Hotels können für ein Kino nicht schließen. Steht ohnehin eine Hotel-Renovierung an, lässt sich das Kino in denselben Bauabschnitt legen. Im Bestand lässt sich der Umbau in Abschnitten planen, abgestimmt mit Hoteldirektion und Haustechnik.

AbschnittWas passiertWann es gut passt
bauliche VorarbeitenLeitungen, Lüftung, Trockenbau, SchallschutzZwischensaison oder vormittags, wenn Gäste unterwegs sind
Technik-MontageHalterungen, Leinwand, Lautsprecher, Akustikelementenach Abschluss der Vorarbeiten, in ruhigen Tagesstunden
BestuhlungKinosessel oder andere Sitzmöbelkurz vor dem Einmessen
Einmessen und EinweisungBild, Ton, Licht, Bedienungan einem ruhigen Nachmittag, mit dem Team, das das Kino später betreut

Laute Arbeiten liegen am besten in der Zwischensaison im Frühjahr oder Spätherbst. Wie die MULTIMEDIAFABRIK Hotelprojekte neben dem laufenden Betrieb grundsätzlich organisiert, steht auf der Seite Umbau im laufenden Betrieb. Wie lange der Einbau dauert, hängt vom Raum ab, mehr dazu in der FAQ Wie lange dauert der Einbau eines Hotelkinos?.

Gäste mit Getränken werden von einer Gastgeberin in dunklem Blazer an der offenen Tür des Hotelkinos begrüßt

Was am Ende übergeben wird

Wenn das Kino eingemessen ist, übernimmt das Haus den Betrieb. Bei der Übergabe bekommt es:

  • einen Kinoraum, auf dessen Sitzplätze Bild und Ton eingemessen sind
  • Lichtszenen für Einlass, Film und Pause
  • eine Bedienung per Taster oder Tablet, siehe Mediensteuerung
  • ein eingewiesenes Team an Rezeption und Haustechnik
  • einen Ansprechpartner bei der MULTIMEDIAFABRIK für Störungen; für Wartung und Updates gibt es einen Servicevertrag, nach Angebot

Welche Filme und Inhalte laufen, entscheidet das Hotel. Wie Gäste das Kino buchen, legt die Hoteldirektion fest.

Was andere Häuser mitnehmen können

Das Beispiel aus dem Allgäu lässt sich auf gewachsene Hotels übertragen, in Vorarlberg genauso wie in Tirol, der Ostschweiz oder am Bodensee. Vier Punkte gelten fast immer:

  1. Zuerst den Raum suchen, dann die Technik. Der passende Raum ist oft einer, der heute wenig bringt.
  2. Brandschutzplaner und Lüftungsplaner früh holen, nicht erst nach dem Angebot.
  3. Die Raumbegehung ernst nehmen. Was in Decke und Wand liegt, entscheidet über die Projektorposition.
  4. Das Team einplanen, das das Kino später startet. Ohne eingewiesenes Personal bleibt der schönste Raum dunkel.

Wer nach dem Lesen wissen will, wie ein fertiger Kinoraum klingt: Bei uns in Koblach und bei WOHNFLOOR in Bludenz siehst und hörst du ein Kino live. Den Termin vereinbarst du über das Kontaktformular, am besten gemeinsam mit Haustechnik und Architekt.

Mitarbeiter startet das Hotelkino über ein Tablet an der Wand, im Raum dimmt das Licht

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