◆ Messemöbel

Anwendungsfall

Messeerfolg & Wiederverwendung: Wie eine Tischlerei Messemöbel baut, die mehrere Einsätze überstehen

Eichen-Glas-Vitrine mit seitlich integriertem Display und warmer LED-Beleuchtung in den Regalböden

Das Technik-Paket im Möbel der MULTIMEDIAFABRIK aus Vorarlberg umfasst Auslegung, Komponenten, CAD-Einbauvorgaben, Verkabelung, Inbetriebnahme, Gewährleistung auf die Technik und Wartung. Im Messebau zählt dabei eine Eigenschaft mehr als jede andere: Das Möbel muss nach dem dritten Auf- und Abbau noch so funktionieren wie am ersten Messetag.

Ausgangssituation

Eine Tischlerei mit Messebau-Erfahrung im Alpenraum baute für einen Industriekunden einen Standblock aus zwei Theken und einer Präsentationswand. Der Kunde wollte einen Monitor im Möbel, der ein Produktvideo in Dauerschleife zeigt, dazu Licht in den Regalfächern und eine Bedienung, die das Standpersonal ohne Einweisung versteht.

Der Auftrag hatte eine Klausel, die alles änderte: Der Stand sollte in derselben Saison auf drei Messen laufen und danach als Showroom-Möbel weiterleben. Aufbau, Abbau, Transport, Zwischenlagerung, wieder Aufbau. Beim ersten Entwurf steckte der Monitor fest verschraubt in einer Aussparung, die Kabel waren durch gebohrte Böden geführt, das Netzteil lag lose im Sockel. Genau so entstehen die drei typischen Messeschäden: gerissene Steckverbinder, verzogene Ausschnitte und ein Gerät, das den Transport nicht überlebt.

Was sich die Tischlerei wünschte

Das Möbel muss auf jeder Messe gleich aussehen und gleich funktionieren. Der Aufbau darf keinen Techniker brauchen, das Standpersonal soll einstecken und einschalten. Und wenn im Transport etwas passiert, wollen wir das Gerät tauschen können, ohne den Korpus zu zerlegen.
Tischler setzt ein schmales Aluminium-LED-Profil in eine gefräste Nut eines Eichenkorpus in heller Werkstatt

Warum das Technik-Paket die Lösung war

Transport als Lastfall:
Der Monitor wurde nicht nur eingepasst, sondern gesichert eingebaut. Befestigungspunkte, Auflage und Freiräume gingen als Vorgabe in die Konstruktion, damit im Transport keine Kräfte auf das Gerät wirken.
Steckbar statt fest:
Signal und Strom laufen über definierte Steckstellen mit Zugentlastung, nicht über gebohrte Böden. Auf- und Abbau bedeutet einstecken und abziehen, nicht schrauben.
Servicezugang in der Halle:
Eine Revisionsklappe erlaubt den Gerätetausch am Stand, mit Werkzeug, das ohnehin im Koffer liegt. Kein Möbel muss dafür auf die Seite gelegt werden.
Ein Bedienpunkt:
Ein Taster oder ein Panel startet Bild und Licht. Das Standpersonal braucht keine Fernbedienung und keine Einweisung am Messemorgen.
Wärme auch in der Halle:
Messehallen sind warm und schlecht durchlüftet. Zu- und Abluftquerschnitte wurden großzügiger ausgelegt als bei einem Möbel im klimatisierten Büro, und der Player bekam einen Platz mit freiem Abstand statt eine enge Nische hinter dem Display.
Ein Gerätestand für mehrere Layouts:
Weil die Standfläche je Messe anders zugeschnitten war, wurde die Kabelreserve so bemessen, dass dieselben Möbelteile in unterschiedlichen Anordnungen zusammenpassen. Das spart auf jeder Messe eine Sonderlösung.

Umsetzung

SchrittInhalt
AuslegungDisplaygröße nach Standgeometrie und Betrachtungsabstand, Dauerbetriebs-Gerät, Player mit automatischem Start, Lichtkonzept für die Regalfächer
CAD-EinbauvorgabenAusschnitt und Rahmenüberdeckung, Befestigungs- und Sicherungspunkte, Steckstellen, Zu- und Abluftöffnungen, Revisionsklappe
TransportkonzeptVerpackungslage und Auflagepunkte je Möbelteil, geschützte Kanten an jeder Kabeldurchführung, Kabelreserve für unterschiedliche Standlayouts
FertigungKorpusse in der Werkstatt, Technik konfektioniert und im Haus vollständig aufgebaut vorgetestet
Erster AufbauTechnik-Einbau, Programmierung von Bild und Licht, Funktionstest, Einweisung des Standteams
FolgeeinsätzeAufbau durch das Standteam nach Kurzanleitung, Technik-Check und Wartung zwischen den Messen

Der Hebel lag im Wiederholbarkeits-Prinzip: Alles, was auf der ersten Messe ein Techniker gemacht hätte, wurde konstruktiv so gelöst, dass es beim zweiten Mal das Standteam macht. Was im Korpus dafür nötig ist, steht auf Technik im Korpus.

Fernseher fährt aus einem massiven Eichensideboard, die passgenaue Öffnung in der Holzplatte ist sichtbar

Ergebnis

Aufbau ohne Technikertermin · Transport ohne Displayschaden · gleiches Möbel für mehrere Messen

AspektKlassischer MesseeinbauTechnik-Paket im Möbel
Verkabelungfest geführt, durch gebohrte Bödensteckbar, mit Zugentlastung und Reserve
TransportGerät fährt lose im Ausschnitt mitgesicherter Einbau mit definierten Auflagepunkten
AufbauTechniker vor Ort nötigStandteam nach Kurzanleitung
GerätetauschKorpus zerlegenRevisionsklappe am Stand
ZweitverwertungMöbel bleibt MessemöbelWeiterverwendung als Showroom-Möbel eingeplant

Der Standblock lief die Saison durch und steht heute im Showroom des Kunden. Für die Tischlerei war das der eigentliche Gewinn: Sie musste nach keiner Messe eine Reklamation abarbeiten, die eigentlich ein Transportschaden an der Technik war.

Was sich daraus ableiten lässt

Messemöbel sind Möbel unter Dauerbelastung. Drei Punkte wiederholen sich:

Der Transport ist der härteste Lastfall.
Wer nur den Aufbau plant, plant den Schaden mit.
Steckstellen sind Konstruktion.
Jede feste Leitung im Messemöbel wird irgendwann jemand mit Gewalt lösen.
Wiederverwendung entsteht in der Zeichnung.
Ein Möbel, das ein zweites Leben haben soll, braucht dafür Zugänge, nicht Absichtserklärungen.

Was ein solches Paket in der Kalkulation treibt, steht auf Kosten. Welche Fragen in der Angebotsphase geklärt gehören, listet die Story Technik im Möbel planen.

Massive Eichentheke mit flächenbündig integriertem Display und warmer Lichtlinie unter der Thekenplatte

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Technik im Möbel: Handbuch für Tischlereien

  • Was sich ins Möbel integrieren lässt, von Display bis Ladetechnik
  • TV-Lift und Versenktechnik: Freiräume, Mechanik, Lastgrenzen
  • LED im Möbel: Nutfräsung, Profil, Entblendung, Treiberzugang
  • Die drei Regeln für Technik im Korpus: Wärme, Kabel, Revision
  • Theken und Empfangsmöbel inklusive Barrierefreiheit am Tresen
  • Wer haftet wofür, und wie die Übergabe abläuft
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