? Wie laut darf ein Restaurant sein?
Wie laut darf ein Restaurant sein?
Die entscheidende Größe ist nicht die Lautstärke, sondern die Nachhallzeit. Die DIN 18041 ordnet Räume, in denen Kommunikation stattfindet, der Raumgruppe A zu und leitet den Soll-Nachhall aus dem Raumvolumen ab. Für die Nutzungsart Sprache und Vortrag gilt Tsoll = 0,37 x lg(V) – 0,14 s. Aus Volumen und Nutzung ergibt sich damit ein Zielkorridor, bevor über Absorptionsflächen gesprochen wird.
Warum der Nachhall wichtiger ist als der Pegel, zeigt der Alltag: In einem halligen Raum hebt jeder Tisch die Stimme, weil der Nachbartisch sie hebt. Dieser Effekt schaukelt sich auf und lässt sich mit keiner Musikanlage regeln, weil er von den Gästen erzeugt wird und nicht von der Technik.
Für ein Gefühl der Größenordnung helfen Werte aus einem anderen Regelwerk. Die ASR A3.7 nennt für Arbeitsstätten Obergrenzen der Nachhallzeit von 0,5 s im Callcenter, 0,6 s im Großraumbüro und 0,8 s im Ein- oder Zweipersonenbüro. Diese Werte gelten ausdrücklich nicht für Gastronomie, sie zeigen aber, in welchem Bereich Räume liegen, in denen Sprechen ohne Anstrengung funktioniert.
Zu beachten ist außerdem, dass ein Zielwert immer ein Korridor bleibt und keine Zusage für jeden Abend. Bestuhlung, Tischwäsche, Vorhänge und vor allem die Zahl der Gäste verändern das Ergebnis. Deshalb wird die Absorptionsfläche mit Reserve geplant, und ein Teil davon liegt sinnvollerweise in Textilien, die zum Materialkonzept ohnehin passen.
Belastbar wird das Ganze erst durch Messung statt Schätzung: eine Aufnahme im Bestand, eine Flächenbilanz, die Verteilung der Absorption auf Decke und Wand, danach eine Kontrollmessung im möblierten Zustand. Reine Deckenabsorption erreicht zwar oft den rechnerischen Zielwert, lässt aber die Flatterechos zwischen parallelen Wänden bestehen. Wie sich diese Flächen gestalterisch lösen lassen, zeigt Akustik als Gestaltung; warum Materialwahl und Nachhall untrennbar zusammenhängen, erklärt Material und Technik zusammendenken.

Unsichtbare Technik: Praxisbuch für Innenarchitekten
- Lichtdesign mit LED: Lichtlinien, Farbtemperatur, flackerfreie Dimmung
- Unsichtbarer Klang: Lautsprecher unter Putz und hinter Bespannung
- Das Display als Designobjekt: Nische, Rahmen, Spiegel, versenkbar
- Akustik als Gestaltung: Absorber, die man zeigen darf
- Detailpunkte für die Planung: Schattenfuge, Einbautiefe, Revision
- Bemusterung in den Studios in Koblach statt Auswahl aus dem Katalog
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