◆ Klare Gewerke

Anwendungsfall

Gewerke-Klarheit & Verantwortung: Wie ein Elektroplanungsbüro vor der Vergabe festlegt, wer Gateway, Netzwerk, Player und Display verantwortet

Zwei Planer besprechen einen technischen Grundrissplan im hellen Rohbau

Die Medientechnik-Fachplanung der MULTIMEDIAFABRIK aus Vorarlberg liefert Elektroplanungsbüros eine Schnittstellenliste je Komponente: Wer liefert, wer montiert, wer schließt an, wer parametriert und wer ist im Störungsfall verantwortlich. Die Liste entsteht vor der Vergabe, wird Bestandteil der Ausschreibung und überlebt die Abnahme als Betriebsdokument.

Ausgangssituation

Ein Elektroplanungsbüro betreute ein Veranstaltungszentrum im Alpenraum mit Saal, Foyer, zwei Seminarräumen und einem Regieraum. Vergeben wurde in drei Losen: Elektro, Netzwerk und Medientechnik. Auf dem Papier klang das sauber, in der Praxis lag zwischen den Losen eine breite Grauzone.

Der Signalweg zwischen Lichtsteuerung und Mediensteuerung brauchte ein Gateway. Im Elektro-Leistungsverzeichnis stand es nicht, im Medientechnik-Los auch nicht, weil beide Seiten annahmen, die andere liefere es. Die Switches kamen aus dem Netzwerk-Los, das PoE-Budget war jedoch aus der Bürowelt gerechnet, ohne die Medienendgeräte. Der Player im Foyer hing an einer Steckdose, die zur Nachtabschaltung gehörte.

Sichtbar wurde das alles erst im Betrieb. Wenn das Foyer-Display morgens schwarz blieb, begann eine Runde durch drei Firmen: Der Elektriker verwies auf das Netzwerk, das Netzwerk auf den Player, der Medientechniker auf die Stromversorgung. Der Bauherr rief den Planer an, weil er der Einzige war, der alle drei kannte.

Was sich das Büro wünschte

Wir brauchen vor der Vergabe eine Liste, in der für jede Komponente steht, wer sie liefert, wer sie anschließt, wer sie einstellt und wen der Betreiber anruft, wenn sie nicht läuft. Ohne diese Liste diskutieren wir bei jeder Störung von vorn, und am Ende bleibt die Verantwortung bei uns hängen.
Elektroplaner und Medientechniker prüfen ein sauber gepatchtes Netzwerk-Rack im hellen Technikraum

Warum eine abgestimmte Schnittstellenliste die Lösung war

Eine Zeile je Komponente:
Display, Player, Switch, Gateway, Bedienstelle, Rack, Lautsprecher, jedes Bauteil bekommt genau eine Zeile mit fünf Spalten. Was in keiner Zeile steht, wird sichtbar, bevor es teuer wird.
Trennung von Lieferung und Verantwortung:
Wer eine Komponente liefert, ist nicht automatisch derjenige, der sie parametriert. Die Liste unterscheidet beides, weil genau dort die Streitfälle entstehen.
Gateways bekommen einen Eigentümer:
Die Kopplung zwischen Gebäudebus, Lichtsteuerung, Effektlicht und Mediensteuerung braucht Gateways. Sie gehören eindeutig einem Los zugeordnet, sonst entstehen zwei getrennte Welten, die sich später nur mit Zusatzhardware verbinden lassen.
Netzwerk mit Medienbedarf gerechnet:
PoE-Bedarf, Portzahl, Reserve-Ports und eigene Medien-VLANs wurden als Anforderung an das Netzwerk-Los formuliert, nicht als Wunsch der Medientechnik.
Störungsweg vor dem Betrieb definiert:
Für jede Komponente steht in der Liste, wer der erste Ansprechpartner ist. Der Betreiber ruft eine Nummer an, nicht drei.
Ein Gewerk als Bündler möglich:
Wo der Bauherr es wollte, hat die MULTIMEDIAFABRIK Display, Player, Steuerung und Inbetriebnahme als ein Gewerk übernommen und damit die Zahl der Schnittstellen von sich aus reduziert.

Umsetzung

KomponenteLieferungMontage und AnschlussParametrierungVerantwortung im Störungsfall
Display und HalterungMedientechnikMedientechnikMedientechnikMedientechnik
Stromkreis und SteckdoseElektroElektroElektroElektro
Netzwerkdose und VerkabelungElektroElektroNetzwerkElektro bis Dose, danach Netzwerk
Switch und PoE-VersorgungNetzwerkNetzwerkNetzwerkNetzwerk
Player und ZuspielungMedientechnikMedientechnikMedientechnikMedientechnik
Gateway zur LichtsteuerungMedientechnikElektroMedientechnikMedientechnik
Bedienstelle im RaumMedientechnikElektroMedientechnikMedientechnik
Rack, Lüftung, ErdungElektroElektroMedientechnik für EinbauElektro für Infrastruktur

Die Liste wurde nicht am Schreibtisch beschlossen, sondern in einer gemeinsamen Runde mit allen drei Losen durchgesprochen und protokolliert. Welche Bus-Systeme dabei aufeinandertreffen, erklärt die Seite Schnittstellen DALI, DMX und KNX.

Geöffneter Verteilerschrank mit Hutschienen-Komponenten und sauber verlegter Steuerverdrahtung

Ergebnis

eine Zeile je Komponente statt Zuständigkeitsdebatte · Störungsweg vor der Vergabe definiert · Abnahme ohne offene Restpunkte zwischen den Gewerken

Keine verwaisten Komponenten:
Das Gateway hatte vor der Vergabe einen Eigentümer, nicht nach der ersten Störung.
Vergleichbare Angebote:
Jeder Bieter wusste, wo sein Los beginnt und endet, und musste keine Sicherheitszuschläge für Unklarheit einrechnen.
Abnahme in einem Durchgang:
Die Restpunktliste enthielt Mängel, keine Zuständigkeitsfragen.
Der Betreiber hat einen ersten Anruf:
Für jede Störungsart steht die zuständige Stelle in der Betriebsdokumentation.
Das Planungsbüro blieb Planer:
Es musste im Betrieb nicht als Schiedsrichter zwischen drei Firmen auftreten.

Was sich daraus ableiten lässt

Schnittstellenprobleme sind fast nie technische Probleme. Die Technik funktioniert, sobald jemand sie einschaltet und einstellt. Das Problem ist die unbesetzte Zeile: eine Komponente, die in keinem Los benannt ist, oder eine Tätigkeit, die niemand als seine erkennt.

Lieferung, Anschluss und Parametrierung sind drei Dinge.
Wer sie in einer Spalte zusammenfasst, produziert Grauzonen.
Die Störungsverantwortung gehört in die Ausschreibung.
Sie später zu klären heißt, sie zu verhandeln.
Weniger Lose bedeuten weniger Schnittstellen.
Ob Zuarbeit oder Komplettgewerk sinnvoller ist, vergleicht die Story Zuarbeit oder Komplettgewerk.
Besprechungsraum mit flächenbündigem Display, Deckenlautsprechern und schlankem Bedienpanel am Tisch

Kläre die Zuständigkeiten, bevor du vergibst

Hast du im laufenden Projekt Komponenten, bei denen niemand sicher sagen kann, in welches Los sie gehören? Wir erstellen dir die Schnittstellenliste und stimmen sie mit Elektro und Netzwerk ab, bevor die Ausschreibung rausgeht.

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Das Medientechnik-Gewerk im Elektro-LV

  • Zuarbeit oder Komplettgewerk: zwei Wege der Zusammenarbeit
  • Leerverrohrung, Lastreserven und die Nachrüst-Kostenfalle
  • Schnittstellen zwischen Gebäudebus, Licht und Mediensteuerung
  • Netzwerk und PoE richtig dimensionieren, inklusive Reserve-Ports
  • LED-Wände elektrisch und thermisch: Anschlusswerte und Kühllast
  • Beschallung und Sprachalarmierung sauber getrennt
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