★ Medientechnik im LV

Story

Medientechnik im Elektro-LV: was hineingehört

Besprechungsraum mit flächenbündigem Display, Deckenlautsprechern und schlankem Bedienpanel am Tisch

Die meisten Medientechnik-Nachträge entstehen nicht auf der Baustelle, sondern im Leistungsverzeichnis. Genauer gesagt in dem, was dort nicht steht. Diese Story ist ein Leitfaden für Elektroplanungsbüros: Wie eine Medientechnik-Position aufgebaut wird, welche Lücken typisch sind, wie die Einordnung in Anlagengruppen und Kostengruppen läuft und warum Bemusterung, Abnahme und Wartung eigene Positionen brauchen.

Einleitung

Die meisten Medientechnik-Nachträge entstehen nicht auf der Baustelle, sondern im Leistungsverzeichnis. Genauer gesagt in dem, was dort nicht steht. Diese Story ist ein Leitfaden für Elektroplanungsbüros: Wie eine Medientechnik-Position aufgebaut wird, welche Lücken typisch sind, wie die Einordnung in Anlagengruppen und Kostengruppen läuft und warum Bemusterung, Abnahme und Wartung eigene Positionen brauchen.

Die MULTIMEDIAFABRIK aus Vorarlberg schreibt diese Positionen als Zuarbeit für Planungsbüros oder als Teil der eigenen Fachplanung. Die Regeln sind in beiden Fällen dieselben.

Die Einordnung: Anlagengruppe und Kostengruppe

Medientechnik läuft im Leistungsbild Technische Ausrüstung als Anlagengruppe 5, also Fernmelde- und informationstechnische Anlagen. Sobald eine Mediensteuerung Licht, Beschattung, Heizung oder Lüftung mitbedient, berührt sie zusätzlich die Anlagengruppe 8, die Gebäudeautomation. Kostenseitig korrespondiert das mit der Kostengruppe 400 ff. nach DIN 276.

Diese Einordnung ist kein Formalismus. Sie entscheidet darüber, ob die Medientechnik als eigene, verfolgbare Position im Projekt geführt wird oder als Restposten zwischen Elektro, Ausbau und Möblierung verschwindet. In Österreich gilt dieselbe Logik über das Leistungsmodell LM.VM.2014, in der Schweiz über die Phasenstruktur der SIA 112.

EbeneZuordnungPraktische Folge
LeistungsbildTechnische AusrüstungMedientechnik ist Fachplanung, keine Möblierung
Anlagengruppe 5Fernmelde- und InformationstechnikBild, Ton, Signalverteilung, Netzwerkendgeräte
Anlagengruppe 8GebäudeautomationMediensteuerung, die Gebäudefunktionen bedient
Kostengruppe 400 ff.DIN 276eine verfolgbare Kostenposition statt Restposten
Elektroplaner und Medientechniker prüfen ein sauber gepatchtes Netzwerk-Rack im hellen Technikraum

Der Positionsaufbau, der Vergleichbarkeit erzeugt

Eine brauchbare Medientechnik-Position beschreibt eine Anforderung, nicht ein Produkt. Sie nennt die Fläche oder Zone, den Zweck, die relevanten Leistungswerte, die Schnittstelle zu anderen Gewerken und die Menge. Produktnamen binden die Vergabe an einen Anbieter und veralten mit dem nächsten Gerätewechsel.

BestandteilWas er leistetTypische Formulierung
Zweck und Zonemacht den Anwendungsfall prüfbarBildfläche für Präsentation im Seminarraum, Sitzabstand bis zur letzten Reihe
Leistungswerteersetzt den ProduktnamenHelligkeit, Auflösung, Blickwinkel, Pegel, Sprachverständlichkeit
Mengemacht das Angebot rechenbarStück, Quadratmeter, laufende Meter, Ports, Zonen
Schnittstelleverhindert verwaiste KomponentenÜbergabe an Elektro, Netzwerk, Möbelbau
Nebenleistungenverhindert kalkulatorische ReservenHalterung, Kabelkonfektion, Rackaufbau, Beschriftung
Nachweismacht Qualität einforderbarMessprotokoll, Funktionsnachweis, Fotodokumentation

Die typischen Lücken

Diese Punkte fehlen in Elektro-Leistungsverzeichnissen am häufigsten, und jeder von ihnen erzeugt entweder einen Nachtrag oder ein unvergleichbares Angebot.

LückeWas passiert ohne die Position
Gateways zwischen Bus-WeltenLicht- und Mediensteuerung bleiben getrennte Welten, Zusatzhardware im Betrieb
PoE-Budget des SwitchesPorts sind da, Leistung reicht nicht, Endgeräte starten nicht zuverlässig
Eigene Medien-VLANsSignalverkehr und Bürobetrieb stören sich, Verantwortung unklar
Halterungen und UnterkonstruktionTraglast und Wandaufbau werden zum Nachtrag im Ausbau
Kabelkonfektion und BeschriftungFehlersuche im Betrieb dauert, Dokumentation stimmt nicht
Wärmelast von Racks und MedienflächenKühllast wird nachträglich korrigiert
Programmierung und BedienoberflächeAnlage läuft technisch, ist aber nicht bedienbar
Einweisung der NutzerPersonal bedient falsch, Störungsmeldungen ohne Störung
Wartung und ReaktionszeitenBetrieb wird nach der Abnahme ohne Wettbewerb verhandelt
Geöffneter Verteilerschrank mit Hutschienen-Komponenten und sauber verlegter Steuerverdrahtung

Bemusterung: die Position, die Streit verhindert

Überall dort, wo Optik, Klang oder Bedienung subjektiv beurteilt werden, gehört eine Bemusterungsposition ins Leistungsverzeichnis. Das betrifft sichtbare Bildflächen, Lautsprecher in gestalteten Räumen, Bedienstellen an Wänden und Möbeln sowie die Oberfläche der Steuerung.

Ohne diese Position wird Bemusterung als Gefälligkeit erwartet und je nach Bieter unterschiedlich kalkuliert. Mit ihr steht fest, was gemustert wird, wer entscheidet und bis wann. Das verschiebt die Diskussion über Optik und Bedienbarkeit vom Zeitpunkt der Montage auf den Zeitpunkt, an dem Änderungen noch nichts kosten.

Abnahme: Inbetriebnahme, Nachweise, Einweisung, Dokumentation

Die Übergabe ist keine Nebenleistung der Anlagenposition, sondern eine Leistung mit eigenem Aufwand. Sie gehört in vier Positionen.

PositionInhaltNachweis
InbetriebnahmeKonfiguration, Einmessung, Funktionstest je RaumInbetriebnahmeprotokoll
Messungen und NachweisePegel, Sprachverständlichkeit, Netzwerkstrecken, SicherheitsnachweiseMessprotokolle
EinweisungSchulung der Nutzer und des Haustechnik-Teams, getrennt nach RolleTeilnahmeprotokoll
DokumentationBestandsplan, Schemata, Adress- und Portliste, Passwortkonzept, Kontaktkarteübergebene Unterlagen

Die Kontaktkarte ist die unscheinbarste dieser Leistungen: eine Seite, auf der je Störungsart steht, wer zuständig ist. Sie entscheidet darüber, ob der Betreiber im ersten Störfall den richtigen Partner anruft oder den Planer.

Servicegang hinter einer LED-Wand mit Tragwerk, geordneter Verkabelung und Techniker am Modul

Wartung als eigene Position

Der Betrieb gehört in dieselbe Vergabeentscheidung wie die Anlage, nicht in eine Verhandlung nach der Abnahme. Eine Wartungsposition beschreibt Umfang und Intervalle, Reaktionszeiten je Störungsklasse, Fernwartungszugang, Ersatzteil- und Tauschgerätelogik sowie die Laufzeit. Damit weiß der Bauherr vor der Vergabe, was ihn der Betrieb kostet, und der Bieter kalkuliert eine benannte Leistung statt einer Erwartung.

Was nicht ins Medientechnik-LV gehört

Ebenso wichtig ist die Abgrenzung nach unten und zur Seite. Die Sprachalarmierung ist ein eigenes Gewerk mit eigenen Normen und eigener Zertifizierung; sie gehört nicht in die Beschallungsposition. Brandmelde- und Sicherheitstechnik bleiben getrennt. Bauleistungen wie Durchbrüche, Brandschottungen und Wandaufbauten gehören in die jeweiligen Bau- und Elektropositionen, werden aber im Medientechnik-Teil als Vorleistung benannt, damit sie niemand übersieht.

Flächenbündig eingebaute Deckenlautsprecher neben Einbaustrahlern in einer glatten Akustikdecke

Quick-Reference

  • Medientechnik ist Anlagengruppe 5, Mediensteuerung berührt Anlagengruppe 8, Kosten laufen in Kostengruppe 400 ff. DIN 276
  • Positionen in Anforderungssprache schreiben, nie mit Produktnamen
  • Mengen zählen: Flächen, Zonen, Ports, Bedienstellen, laufende Meter
  • Gateways, PoE-Budget, VLANs, Halterungen und Wärmelasten sind die häufigsten Lücken
  • Bemusterung als eigene Position spart die teuerste Diskussion
  • Inbetriebnahme, Messungen, Einweisung und Dokumentation sind vier Positionen, nicht ein Nebensatz
  • Wartung vor der Vergabe ausschreiben, nicht nach der Abnahme verhandeln
  • Sprachalarmierung ist ein eigenes Gewerk und gehört nicht in die Beschallungsposition

Welche Vorgaben zusätzlich in die Elektro-Positionen wandern, zeigt die Seite Leerverrohrung und Lastreserven. Die Abgrenzung zur Sprachalarmierung erklärt Beschallung und Sprachalarmierung.

3D-Broschüren-Mockup des Leitfadens Das Medientechnik-Gewerk im Elektro-LV
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Das Medientechnik-Gewerk im Elektro-LV

  • Zuarbeit oder Komplettgewerk: zwei Wege der Zusammenarbeit
  • Leerverrohrung, Lastreserven und die Nachrüst-Kostenfalle
  • Schnittstellen zwischen Gebäudebus, Licht und Mediensteuerung
  • Netzwerk und PoE richtig dimensionieren, inklusive Reserve-Ports
  • LED-Wände elektrisch und thermisch: Anschlusswerte und Kühllast
  • Beschallung und Sprachalarmierung sauber getrennt
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