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Vertiefung

Leerverrohrung, Lastreserven und Wärmelast

Zwei Planer besprechen einen technischen Grundrissplan im hellen Rohbau

Die MULTIMEDIAFABRIK liefert Elektroplanern die Rohbau-Vorgaben für das Gewerk Medientechnik: Leerrohrverläufe mit Querschnitten und Revisionspunkten, Anschlusswerte und Stromkreiszuordnung, Angaben zum Einschaltverhalten sowie das Wärmelastblatt für die Kühllastberechnung der TGA. Alles kommt so aufbereitet, dass du es ohne Umrechnung ins Planwerk und in dein Leistungsverzeichnis übernehmen kannst.

Diese Seite erklärt, warum die Rohbauphase über die Projektkosten entscheidet, welche Anschlusswerte bei LED-Flächen realistisch sind und warum die elektrische Leistung im Innenraum praktisch vollständig als Wärme wieder auftaucht.

Warum späte Nachrüstung so teuer wird

Ein Leerrohr im Rohbau ist ein Planstrich und ein Meter Kunststoff. Dasselbe Kabel nach der Fertigstellung bedeutet einen kompletten Arbeitsablauf mit mehreren Gewerken:

Stemmen und Fräsen
in fertigen Wänden und Decken, inklusive Staubschutz und Bauteilschädigung
Brandschotts
müssen neu hergestellt und dokumentiert werden, wenn Abschottungen geöffnet werden
Malerarbeiten
und Oberflächenwiederherstellung, oft über größere Flächen als die eigentliche Schlitzführung
Betriebsunterbrechung
im laufenden Haus, mit Terminfenstern am Abend, am Wochenende oder in der Nebensaison
Koordination
von Elektro, Trockenbau, Maler und Brandschutz für eine einzige Leitung

Als Richtwert aus der Praxis, nicht als Studie: Derselbe Anschluss kostet ohne vorhandenes Leerrohr grob das Mehrfache dessen, was er mit früher Planung kosten würde, und Ratgeber beziffern die Ersparnis früh verlegter Leerrohre über ein Bauvorhaben hinweg im deutlich vierstelligen Bereich. Konkrete Beträge nennen wir bewusst nicht, weil sie von Bauart, Bestand und Region abhängen. Die Kostenlogik dahinter steht auf der Seite Was die Medientechnik-Zuarbeit kostet.

Was in den Trassenplan gehört

VorgabeInhalt
Verlauf und Zielpunktdurchgehende Rohre zwischen Technikraum, Medienflächen, Bedienstellen, Lautsprecherpositionen und Kameras
Querschnitt und BelegungRohrgröße nach Kabelbündel und späterer Erweiterung, keine Vollbelegung im Erstausbau
Zugdrahtin jedem Leerrohr, damit spätere Ergänzungen ohne Öffnen der Decke möglich sind
Biegeradiengroßzügig ausgelegt, damit steife Leitungen und Steckerkonfektionen überhaupt durchgehen
RevisionspunkteDosen oder Kästen an jedem Umlenk- und Verzweigungspunkt, zugänglich nach Fertigstellung
Reserverohrmindestens ein zusätzliches Rohr je Medienpunkt, das ist die billigste Versicherung im ganzen Projekt
TrennungStark- und Signalwege getrennt geführt, definierte Kreuzungspunkte, konsequenter Potenzialausgleich
Elektroplaner und Medientechniker prüfen ein sauber gepatchtes Netzwerk-Rack im hellen Technikraum

Anschlusswerte von LED-Flächen

LED-Flächen sind der Posten, bei dem Schätzungen am häufigsten danebenliegen. Der Unterschied zwischen Maximallast und typischem Betrieb ist erheblich, und ausgelegt wird auf die Maximallast, nicht auf den Mittelwert.

AnwendungMaximale AnschlussleistungTypischer Betrieb
LED-Fläche Indoor100 bis 300 W je Quadratmeterca. 80 bis 150 W je Quadratmeter
LED-Fläche Outdoor300 bis 600 W je Quadratmeterabhängig von Helligkeitsregelung und Umgebungslicht

Für die Planung folgt daraus: eigene Stromkreise für Medienflächen, Auslegung auf die Maximallast, Berücksichtigung des Einschaltverhaltens und eine saubere Trennung von Verbrauchern, die Störungen einbringen können. Ein Weißbild über die gesamte Fläche ist kein theoretischer Fall, sondern der Normalzustand bei Prüfbildern, Präsentationsfolien und hellen Inhalten.

Wärmelast: die zweite Hälfte derselben Rechnung

Der Punkt, der in Kühllastberechnungen am häufigsten fehlt: Die elektrische Leistung einer LED-Fläche wird im Innenraum praktisch vollständig in Wärme umgesetzt und bleibt dort. Was in der Verteilung als Anschlusswert steht, taucht im Raum als thermische Last wieder auf, und zwar konzentriert an einer Wandfläche, oft zusätzlich in einer Nische mit eingeschränkter Konvektion.

Dasselbe gilt für Technikracks mit Switches, Verstärkern, Playern und Steuerung. Diese Angaben liefern wir als Wärmelastblatt an die TGA:

  • Verlustleistung je Medienfläche, aufgeteilt in Maximal- und Dauerbetrieb
  • Verlustleistung je Rack, inklusive der Verluste aus stark belasteten PoE-Ports
  • Nutzungsprofil je Raum, weil ein Saal anders belastet wird als ein Empfang
  • Anforderungen an Zu- und Abluft in Nischen und Revisionsräumen
  • Temperaturüberwachung mit Meldung, bevor Geräte drosseln oder abschalten

Die Netzwerkseite dieser Rechnung steht auf der Seite Netzwerk und PoE für Medientechnik planen.

Geöffneter Verteilerschrank mit Hutschienen-Komponenten und sauber verlegter Steuerverdrahtung

Revision und Zugänglichkeit

Eine Medienfläche ist ein Bauteil mit Wartungsbedarf. Ob sie von vorne oder von hinten gewartet wird, ist eine Grundsatzentscheidung im Entwurf, kein Detail für die Ausführung: Front-Service erlaubt einen wandbündigen, flachen Aufbau, Rear-Service verlangt einen Revisionsraum hinter der Fläche. Ein nachträglicher Wechsel des Servicekonzepts ist praktisch immer ein Umbau. Dazu kommen Revisionsöffnungen für Player, Netzteile und Verteiler, die nach der Fertigstellung erreichbar bleiben müssen, ohne dass Möbel demontiert oder Oberflächen geöffnet werden.

Quick-Reference

  • Leerrohr mit Zugdraht und Revisionspunkt, dazu mindestens ein Reserverohr je Medienpunkt
  • Nachrüstung ohne Leerrohr bedeutet Stemmen, Brandschotts, Maler und Betriebsunterbrechung, als Richtwert ein Vielfaches der frühen Lösung
  • LED-Fläche Indoor: 100 bis 300 W je Quadratmeter maximal, Betrieb etwa 80 bis 150; Outdoor 300 bis 600
  • Stromkreise auf Maximallast auslegen, nicht auf den Betriebsmittelwert, Einschaltverhalten berücksichtigen
  • Die elektrische Leistung fällt im Innenraum praktisch vollständig als Wärmelast an und gehört in die Kühllastberechnung
  • Servicekonzept Front- oder Rear-Service früh entscheiden, Revisionsöffnungen dauerhaft zugänglich halten
Besprechungsraum mit flächenbündigem Display, Deckenlautsprechern und schlankem Bedienpanel am Tisch

Inline-FAQ Rohbau und Lasten

Wie viele Reserverohre sind sinnvoll? Mindestens eines je Medienpunkt. Der Materialpreis ist im Verhältnis zum späteren Aufwand vernachlässigbar, und die häufigste Nachrüstung ist keine neue Technik, sondern eine zusätzliche Leitung zu vorhandener Technik.

Reicht ein normaler Stromkreis für eine LED-Fläche? Nur bei sehr kleinen Flächen. Sinnvoll ist ein eigener Kreis, ausgelegt auf die maximale Anschlussleistung, weil ein Weißbild über die volle Fläche der Normalfall ist und nicht die Ausnahme.

Gehört die Wärmelast wirklich in die Kühllastberechnung? Ja. Im Innenraum bleibt die elektrische Leistung als Wärme im Raum, konzentriert an einer Fläche. Wir liefern die Verlustleistungen je Fläche und je Rack als Eingangsgröße für die TGA.

Was, wenn der Rohbau schon steht? Dann nehmen wir den Bestand auf, prüfen vorhandene Trassen und Verteiler und planen die Wege so, dass möglichst wenig geöffnet werden muss. Das ist aufwendiger, aber deutlich besser als eine Improvisation auf der Baustelle.

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Das Medientechnik-Gewerk im Elektro-LV

  • Zuarbeit oder Komplettgewerk: zwei Wege der Zusammenarbeit
  • Leerverrohrung, Lastreserven und die Nachrüst-Kostenfalle
  • Schnittstellen zwischen Gebäudebus, Licht und Mediensteuerung
  • Netzwerk und PoE richtig dimensionieren, inklusive Reserve-Ports
  • LED-Wände elektrisch und thermisch: Anschlusswerte und Kühllast
  • Beschallung und Sprachalarmierung sauber getrennt
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