› Akustik & Schallschutz

Vertiefung

Raumakustik und Schallschutz mitplanen

Heller Besprechungsraum mit Akustik-Deckensegeln und Holzlamellen-Wand mit Blick auf die Berge

Die MULTIMEDIAFABRIK plant Raumakustik und Beschallung gemeinsam, weil kein Lautsprecher einen Raum reparieren kann, dessen Nachhallzeit zu lang ist. Zur Leistung gehören Nachhall-Zielwerte nach DIN 18041, Absorberflächen als Teil der Materialwahl, Akustikelemente mit gestalterischem Anspruch, Beschallungsplanung und die Messung zum Nachweis.

Diese Seite gibt dir die Rechengrundlagen für den Entwurf, die Grenzwerte für Arbeitsstätten und eine klare Abgrenzung: Beschallung und Raumakustik planen wir, die Sprachalarmierung ist ein eigenes Gewerk, mit dem wir koordinieren.

DIN 18041: Raumgruppe A und Raumgruppe B

Die Norm unterscheidet zwei Wege. Raumgruppe A umfasst Räume, in denen über größere Entfernung kommuniziert wird, dort gilt ein Nachhallzeit-Sollwert in Abhängigkeit vom Raumvolumen. Raumgruppe B umfasst Räume, in denen es um Lärmminderung über kurze Distanz geht, dort arbeitet die Norm mit Orientierungswerten für das Verhältnis von Absorptionsfläche zu Raumvolumen.

Für den Entwurf sind diese belegten Sollwert-Formeln der Raumgruppe A entscheidend, wobei V das Raumvolumen ist:

NutzungsartFormel für die Soll-Nachhallzeit
A2 Sprache und Vortrag0,37 x lg(V) - 0,14 s
A3 Unterricht und Kommunikation0,32 x lg(V) - 0,17 s
A4 Inklusiv, Nutzung durch Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen0,26 x lg(V) - 0,14 s

Die inklusive Anforderung A4 liegt rund ein Fünftel strenger als die Sprachnutzung und schließt direkt an das Barrierefreiheits-Thema an, siehe Barrierefreiheit planen. Ein Raum, der A4 erfüllt, funktioniert für alle Nutzergruppen, nicht nur für die mit gutem Gehör.

ASR A3.7: die Grenzwerte für Arbeitsstätten

Bei Büro- und Gewerbebau kommt die Arbeitsstättenregel dazu. Diese Werte sind im Bauherrn-Gespräch besonders wirksam, weil sie messbar und einklagbar sind:

RaumartMaximale Nachhallzeit
Callcenter0,5 s
Großraumbüro0,6 s
Ein- und Zweipersonenbüro0,8 s

In Österreich regelt ÖNORM B 8115 Schallschutz und Raumakustik im Hochbau, inklusive Schallschutzklassen, und ist bei Projekten in Vorarlberg und Tirol die Bezugsgröße. Wie die drei Länder-Regelwerke im Alpenraum zusammenspielen, steht auf der Seite Bodensee und Vorarlberg.

Architektin und Medientechnik-Planer besprechen Gebäudemodell und Pläne in einem hellen Architekturbüro im Alpenraum

Sprachverständlichkeit: STI nach EN 60268-16

Nachhallzeit beschreibt den Raum, der Speech Transmission Index beschreibt das Ergebnis beim Zuhörer. Die Skala reicht von null bis eins und wird in Qualifikationsbänder unterteilt. Ein Auszug der belegten Bänder:

BandSTI-BereichTypische Nutzung
A0,72 bis 0,76Theater, Gerichtssaal
C0,64 bis 0,68Klassenraum
D0,60 bis 0,64Hörsaal
G0,48 bis 0,52Zielbereich Sprachalarm

Der STI ist der Wert, mit dem sich eine Beschallungsplanung überprüfen lässt. Er wird durch Raumakustik, Lautsprecherplatzierung und Signalverarbeitung gemeinsam bestimmt, deshalb ist die Trennung von Akustik und Beschallung in zwei Gewerke eine der häufigsten Fehlerquellen.

Die klare Abgrenzung zur Sprachalarmierung

Sprachalarmanlagen nach EN 54 sind ein eigenständiges Gewerk des vorbeugenden Brandschutzes mit zertifizierten Komponenten und eigener Nachweiskette. Die MULTIMEDIAFABRIK plant Beschallung und Raumakustik und koordiniert die Schnittstelle zur Sprachalarmierung, verspricht aber keine Brandschutz-Leistung. Praktisch heißt das: Wir legen Lautsprecherpositionen, Zonen, Pegel und Raumakustik so aus, dass die Sprachalarmierung ihre Anforderungen erreichen kann, und wir stimmen Leitungswege, Zonenschnitt und Bedienstellen mit dem verantwortlichen Fachplaner ab. Die Abnahme der Sprachalarmierung bleibt bei diesem Gewerk. Welche Leistungen wir im Bauprojekt insgesamt übernehmen, steht im Überblick Medientechnik für Architekten.

Nahtlos in die Wandebene integrierte LED-Wand neben Eichenpaneelen in einer hellen alpinen Hotellobby

Warum moderne Architektur akustisch schwierig wird

Die Materialien, die im Entwurf überzeugen, sind akustisch die härtesten: Glas, Sichtbeton, Naturstein und offene Grundrisse. Typische Folgen sind lange Nachhallzeiten, Schallfokussierungen an gekrümmten Flächen und Flatterechos zwischen parallelen harten Wänden. Im Foyer entsteht daraus Stimmengewirr, in der Gastronomie ein Pegelanstieg, bei dem jeder Gast lauter spricht, im Büro sinkende Konzentration.

Die Gegenmittel sind planbar und gestaltbar:

Akustikdecken und Deckensegel
, abgestimmt mit Lichtlinien und Medienflächen in derselben Deckenzone
Wandabsorber und bedruckte Paneele
, die als Gestaltungselement gelesen werden statt als Nachrüstung
Holzlamellen und Mikroperforation
, wenn die Materialsprache warm bleiben soll
Textilien, Vorhänge und Möblierung
als Teil der Absorptionsbilanz
Akustische Zonierung
offener Grundrisse statt flächendeckender Dämpfung
Kombielemente
, die Absorber mit Lautsprecher oder Licht in einem Bauteil verbinden

Warum diese Entscheidungen im Entwurf günstiger sind als in der Nachrüstung, zeigt die Seite Kosten der Fachplanung.

Quick-Reference

  • DIN 18041 unterscheidet Raumgruppe A mit Nachhall-Sollwerten und Raumgruppe B mit Orientierungswerten
  • Sollwert-Formeln: A2 0,37 x lg(V) - 0,14 s, A3 0,32 x lg(V) - 0,17 s, A4 inklusiv 0,26 x lg(V) - 0,14 s
  • ASR A3.7: Callcenter 0,5 s, Großraumbüro 0,6 s, Ein- und Zweipersonenbüro 0,8 s
  • Österreich: ÖNORM B 8115 für Schallschutz und Raumakustik im Hochbau
  • Ergebnisgröße ist der STI nach EN 60268-16, nicht die Lautsprecherliste
  • Beschallung und Raumakustik planen wir, die Sprachalarmierung nach EN 54 bleibt ein eigenes Gewerk
Durchgehende warme LED-Lichtlinien in Deckenvoute und unter einem schwebenden Eichenregal im Empfangsbereich

Inline-FAQ Akustik

Plant ihr die Raumakustik selbst? Ja. Raumakustik-Planung, Akustikelemente und Messung gehören zum Leistungsumfang, gemeinsam mit der Beschallungsplanung. Das verhindert die typische Lücke zwischen zwei Gewerken.

Reicht eine gute Beschallungsanlage nicht? Nein. Ist die Nachhallzeit zu lang, verstärkt jede Anlage auch den Nachhall. Erst die Kombination aus Absorption und richtig ausgelegter Beschallung bringt gute Sprachverständlichkeit.

Müssen Absorber sichtbar sein? Nicht zwingend. Mikroperforation, Holzlamellen, bedruckte Paneele und Deckensegel lassen sich als Gestaltungselement einsetzen. Wichtig ist nur, dass die Fläche früh im Materialkonzept mitgedacht wird.

Übernehmt ihr auch die Sprachalarmierung? Nein. Sprachalarmanlagen nach EN 54 sind ein eigenes Gewerk. Wir planen Beschallung und Raumakustik und koordinieren Schnittstellen, Zonen und Leitungswege mit dem zuständigen Fachplaner.

3D-Broschüren-Mockup des Leitfadens Medientechnik im Bauprojekt: Leitfaden für Architekten
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Medientechnik im Bauprojekt: Leitfaden für Architekten

  • Ab welcher Leistungsphase Medientechnik ins Projekt gehört
  • Licht, Bild, Ton und Akustik als vier Ebenen im Entwurf
  • Die LED-Wand als Bauteil: Statik, Brandschutz, Wartungszugang
  • Raumakustik nach DIN 18041 und die Schnittstelle zum Elektroplaner
  • Barrierefreiheit nach BFSG und BaFG, inklusive induktiver Höranlage
  • Kosten-Logik und Festpreis-Pakete der Fachplanung
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