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Vertiefung

Barrierefreiheit planen: BFSG, BaFG und induktive Höranlagen

Empfangstresen mit abgesenktem barrierefreiem Bereich und kontrastreicher Gestaltung in einem öffentlichen Gebäude

Die MULTIMEDIAFABRIK plant Barrierefreiheit als Teil des Medientechnik-Gewerks: induktive Höranlagen nach EN 60118-4, Zwei-Sinne-Ausgabe an Terminals und Leitsystemen, bedienbare Höhen und Kontraste sowie die Einmessung mit Protokoll zur Abnahme. Seit dem Inkrafttreten von BFSG und BaFG am 28.06.2025 ist das kein Zusatzwunsch mehr, sondern eine Anforderung, die bei der Abnahme geprüft wird.

Diese Seite fasst zusammen, welche Rechtsgrundlagen gelten, welche Werte im Leistungsverzeichnis stehen müssen und was das konkret für Hotel, öffentlichen Bau und Besucherzentrum heißt. Der teuerste Fehler ist immer derselbe: Das Thema taucht erst kurz vor der Übergabe auf.

Der rechtliche Rahmen im Überblick

Grundlage ist der European Accessibility Act, die EU-Richtlinie zur Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen. Deutschland und Österreich haben ihn in nationales Recht übersetzt.

RechtsaktGilt seitWen es trifft
European Accessibility Act28.06.2025EU-weite Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen
BFSG (Deutschland)28.06.2025SB-Terminals, Ticket- und Zahlungsautomaten, Consumer-Hardware, E-Commerce, Bankdienste, Personenverkehr
BaFG (Österreich)28.06.2025analoger Geltungsbereich, eigene Übergangsfristen

Für bestehende Terminals gibt es Übergangsfristen: In Deutschland dürfen sie maximal 15 Jahre weiterbetrieben werden, in Österreich maximal 20 Jahre, längstens jedoch bis 28.06.2040. Für Neubau und Sanierung heißt das schlicht: Alles, was heute neu eingebaut wird, muss die Anforderungen erfüllen.

Induktive Höranlagen nach EN 60118-4

Die induktive Höranlage überträgt Ton direkt an Hörgeräte mit T-Spule und ist das wirksamste Einzelinstrument für hörbeeinträchtigte Nutzer. Die Norm gibt klare Werte vor, die in Ausschreibung und Abnahme gehören:

AnforderungWert nach EN 60118-4
Feldstärke100 mA/m mit einer Toleranz von ±3 dB
Maximalwert400 mA/m
Frequenzbereich100 bis 5.000 Hz
KennzeichnungPiktogramm-Pflicht am Zugang zum Hörbereich
NachweisEinmessung bei der Abnahme mit Protokoll

Planerisch relevant ist die Schleifenführung: Sie liegt im Estrich- oder Deckenaufbau und muss vor dem Verschließen gelegt sein. Metallische Bauteile und benachbarte Räume beeinflussen das Feld, deshalb gehört die Auslegung in die Ausführungsplanung und nicht in die Montagewoche. Die Verbindung zur Beschallung erklärt die Seite Raumakustik und Schallschutz.

Architektin und Medientechnik-Planer besprechen Gebäudemodell und Pläne in einem hellen Architekturbüro im Alpenraum

Zwei-Sinne-Prinzip nach DIN 18040

Das Zwei-Sinne-Prinzip verlangt, dass Informationen für mindestens zwei der drei Sinne Sehen, Hören und Tasten verfügbar sind. Für die Medientechnik heißt das konkret:

Digitale Beschilderung und Leitsysteme
kombinieren Text, Symbol, ausreichenden Kontrast und, wo nötig, Sprachausgabe
Terminals
liefern optische und akustische Rückmeldung, mit Kopfhöreranschluss und taktil erkennbarer Bedienung
Alarm- und Hinweismeldungen
erscheinen visuell und akustisch
Bedienhöhen und Anfahrbarkeit
folgen den Vorgaben für barrierefreie Bedienelemente
Untertitelung und Höranlage
ergänzen Beschallung in Sälen und Seminarräumen

In Österreich sind zusätzlich ÖNORM B 1600 als Basisnorm des barrierefreien Bauens und ÖNORM B 1603 für den Tourismus maßgeblich; die Landesbauordnungen verweisen auf die OIB-Richtlinie 4. Die ÖNORM B 1603 fordert mindestens eine barrierefreie Beherbergungseinheit je Betrieb und eine weitere je 15 zusätzliche Gästebetten.

Was das für deine Bauaufgabe heißt

BauaufgabePflichtthemen aus der Medientechnik
HotelBarrierefreie Check-in- und Zahlungsterminals, Höranlage im Tagungsbereich, Online-Buchung als E-Commerce-Dienst, barrierefreie Beherbergungseinheiten nach ÖNORM B 1603
Öffentlicher BauHöranlage in Saal, Sitzungszimmer und Empfang, Zwei-Sinne-Ausgabe an Infostellen, inklusive Raumakustik nach A4
Besucherzentrum und ErlebnisweltBedienbare Exponate, Untertitel und Audio an Medienstationen, kontrastreiches Leitsystem
Handel und GastronomieZahlungsterminals, Bestell- und Infostationen, Sprachverständlichkeit im Gastraum

Wer diese Punkte in Leistungsphase 2 aufnimmt, hat sie im Leistungsverzeichnis, im Budget und in der Abnahme. Wer sie später aufnimmt, baut Aufsatzlösungen unter Zeitdruck. Die Phasenlogik dazu steht auf der Seite Ablauf der Medientechnik-Planung, die Kostenwirkung auf der Seite Kosten der Fachplanung.

Nahtlos in die Wandebene integrierte LED-Wand neben Eichenpaneelen in einer hellen alpinen Hotellobby

Barrierefreiheit und Raumakustik gehören zusammen

Die inklusive Anforderung A4 der DIN 18041 liegt rund ein Fünftel strenger als die reine Sprachnutzung. Ein Raum mit kurzer Nachhallzeit entlastet jedes Hörgerät und jede Höranlage, ein halliger Raum macht beide wirkungslos. Deshalb planen wir Akustik und Höranlage in einem Zug, statt am Ende Technik gegen Bauphysik antreten zu lassen. Wie sich das in das gesamte Gewerk einfügt, zeigt der Überblick Medientechnik für Architekten.

Quick-Reference

  • BFSG und BaFG gelten seit 28.06.2025, Grundlage ist der European Accessibility Act
  • Bestands-Terminals: Übergang max. 15 Jahre in Deutschland, max. 20 Jahre in Österreich, längstens bis 28.06.2040
  • Induktive Höranlagen nach EN 60118-4: 100 mA/m ±3 dB, max. 400 mA/m, 100 bis 5.000 Hz, Piktogramm, Einmessung bei Abnahme
  • Zwei-Sinne-Prinzip nach DIN 18040 für Signage, Terminals, Leit- und Hinweissysteme
  • Österreich zusätzlich: ÖNORM B 1600, ÖNORM B 1603, OIB-Richtlinie 4
  • Inklusive Raumakustik nach DIN 18041 A4 verstärkt jede Höranlage
Durchgehende warme LED-Lichtlinien in Deckenvoute und unter einem schwebenden Eichenregal im Empfangsbereich

Inline-FAQ Barrierefreiheit

Betrifft das BFSG auch unser Hotel? In vielen Fällen ja. Betroffen sind Selbstbedienungsterminals, Zahlungsvorgänge und die Online-Buchung als elektronischer Dienst. Zusätzlich gelten die baurechtlichen Vorgaben des jeweiligen Landes.

Was kostet eine induktive Höranlage im Bauprojekt? Das hängt von Fläche, Aufbau und Störumfeld ab. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Liegt die Schleife im geplanten Aufbau, ist es eine Position im Leistungsverzeichnis; nachträglich wird es eine Baustelle.

Reicht ein mobiles System? Für kleine Beratungsplätze kann eine mobile Lösung passen. In Saal, Foyer und Sitzungszimmer ist die fest installierte Schleife mit Einmessung und Piktogramm die belastbare Variante.

Wer weist die Barrierefreiheit bei der Abnahme nach? Für die Höranlage liefern wir das Einmessprotokoll nach EN 60118-4. Die übrigen Nachweise ordnen wir den Gewerken zu, damit bei der Abnahme nichts offenbleibt.

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Medientechnik im Bauprojekt: Leitfaden für Architekten

  • Ab welcher Leistungsphase Medientechnik ins Projekt gehört
  • Licht, Bild, Ton und Akustik als vier Ebenen im Entwurf
  • Die LED-Wand als Bauteil: Statik, Brandschutz, Wartungszugang
  • Raumakustik nach DIN 18041 und die Schnittstelle zum Elektroplaner
  • Barrierefreiheit nach BFSG und BaFG, inklusive induktiver Höranlage
  • Kosten-Logik und Festpreis-Pakete der Fachplanung
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